Leben

Warum ich im Referendariat als Lehrer gescheitert bin

Philipp Wagner30. Juni 20263 Min Lesezeit

Das Leben als Lehrer ist nicht immer der Traumberuf, den man sich vorstellt. Mein Referendariat offenbarte einige ernüchternde Wahrheiten, die ich nicht erwartet hatte.

Was waren meine Erwartungen an das Referendariat?

Wie es so oft der Fall ist, hatte ich eine romantisierte Vorstellung vom Lehrerberuf. Ich stellte mir inspirierende Unterrichtsstunden vor, in denen ich die Jugend mit Wissen und Weisheit bereichere. Die Realität im Referendariat erwies sich jedoch als eher ernüchternd. Anstatt der erhofften kreativen Freiheit starrte ich oft auf Lehrpläne, die strikter waren als das Regelwerk eines Schachturniers.

Zusätzlich war ich mir nicht bewusst, wie viel Zeit ich tatsächlich mit administrativen Aufgaben verbringen würde. Das Korrigieren von Prüfungen, das Verfassen von Berichten und die ständige Dokumentation aller Aktivitäten schienen endlos. Man fragt sich, wann man jemals mit dem Unterrichten selbst beschäftigt sein kann. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass ich mehr als Sekretärin denn als Pädagoge fungierte.

Welche Herausforderungen traten während des Referendariats auf?

Eine der größten Herausforderungen war das Klassenzimmer-Management. Es stellte sich heraus, dass die Realität des Unterrichtens nicht nur darin besteht, Wissen zu vermitteln, sondern auch darin, die Schüler zu motivieren und zu Disziplinieren. Ich hatte viele Idealvorstellungen davon, wie ich mit schwierigen Schülern umgehen würde, nur um dann in der Praxis festzustellen, dass meine Autorität oft wie ein Papphaus im Sturm zerfiel.

Außerdem gibt es die unübersehbaren Unterschiede zwischen Theorie und Praxis. Während man in der universitären Ausbildung gelehrt bekommt, wie man eine Unterrichtsstunde plant, wird nicht erklärt, wie man mit einem Schüler umgeht, der offensichtlich kein Interesse hat oder, noch schlimmer, der aktiv störrisch ist. Hier fühlt man sich oft wie der Hauptdarsteller in einem Theaterstück, dessen Skript vergessen wurde.

Hatte ich Unterstützung während meiner Zeit im Referendariat?

Die vermeintliche Unterstützung durch Mentoren war oft eine Sache der Perspektive. Zwar gab es erfahrene Lehrer, die bereit waren, Ratschläge zu geben, doch häufig fühlte ich mich allein mit meinen Herausforderungen. Manchmal schien es, als ob ihre Ratschläge eher auf den Erfahrungen der Vergangenheit basierten, als auf den realen Bedürfnissen eines frischen Referendars. Es war ein wenig so, als würde man von einem Kapitän in stürmischen Gewässern hören, wie man mit dem Ozean umgehen soll, während man selbst im Rettungsboot sitzt.

Die regelmäßigen Treffen, die dazu dienen sollten, Erfahrungen auszutauschen, haben in der Regel mehr Fragen als Antworten aufgeworfen. Oftmals fühlte ich mich, als ob ich in einer Selbsthilfegruppe für gescheiterte Lehrer war. Ein Teil von mir dachte, dass ich nicht alleine bin – eine kleine Erleichterung, aber auch ein Hinweis auf die systematischen Probleme im Ausbildungssystem.

Was waren die emotionalen Auswirkungen auf mich?

Es ist erstaunlich, wie sehr der Druck, der einen im Referendariat umgibt, an den Nerven zerren kann. Man beginnt, an sich selbst zu zweifeln: Bin ich tatsächlich für diesen Job geeignet? Wie kann ich das Engagement und die Motivation aufbringen, wenn ich selbst so oft frustriert bin? Die ständige Konfrontation mit den eigenen Grenzen führt dazu, dass man entweder ungeduldig oder, noch schlimmer, gleichgültig wird.

Ein Lehrer zu sein, kann eine isolierende Erfahrung sein. Man sieht sich nicht nur dem Druck des Systems gegenüber, sondern auch dem der Schüler und ihrer Erwartungen. Es ist ein emotionale Achterbahnfahrt.

Warum habe ich letztendlich meine Entscheidung überdacht?

Als ich schließlich die Entscheidung traf, das Referendariat zu beenden, waren die Antworten auf meine Fragen klarer geworden. Es war nicht so, dass ich das Lehren nicht mochte; das System, in dem ich arbeitete, war das Problem. Die Auflagen und der Druck schienen eine echte Verbindung zu den Schülern zu verhindern, und das, was ich eigentlich erreichen wollte – nämlich zu inspirieren und zu unterrichten – schien in weite Ferne gerückt.

Mein Scheitern im Referendariat war weniger eine persönliche Niederlage als vielmehr eine Erkenntnis über die Rahmenbedingungen, die diesen Beruf umgeben. Für viele ist das Lehrer-Dasein ein Traumberuf – für mich war es mehr eine Lektion in Realität.

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